Gertrud von Hermann Hesse

Gertrud von Hermann Hesse

Nach den drei bisher vorgestellten Büchern geht es heute wieder in eine etwas andere Richtung. Hermann Hesse gilt als einer der bekanntesten und beliebtesten Autoren des 20. Jahrhunderts. Zusammen mit Thomas Mann ist er wohl der Beliebteste. Er wurde vor allem bekannt für Bücher wie Der Steppenwolf, Demian oder Narziß und Goldmund. Bei Gertrud hingegen handelt es sich um eines der unbekannteren Werke des Autors. Es zählt zum Frühwerk und erschien vor seinen bekanntesten Büchern.

Gertrud von Hermann Hesse

In Gertrud geht es um einen jungen Komponisten namens Kuhn, dessen Charakter hier auch der Ich-Erzähler ist. Das Buch beginnt in seiner Kindheit, welche aber recht schnell abgehandelt wird. Während seines Studiums der Musik hat er einen Unfall mit einem Schlitten, wodurch er eine junge Gesangsstudentin beeindrucken wollte. Dabei trägt er als bleibenden Schaden ein steifes Bein davon und ist aber diesem Zeitpunkt auf eine Gehhilfe angewiesen.

Aufgrund dieses Unfalls verliert der Erzähler vorübergehend die Lust am Leben und verfällt in eine Depression. Er findet aber die Musik als Ventil und lässt seinen Gefühlen in seinen ersten Kompositionen freien Lauf. Auch wenn sein ehemaliger Professor diese ersten Versuche noch als recht wild und technisch fehlerhaft einstuft, ist dies der Anfang zu einer recht erfolgreichen Karriere.

Typisches Hesse-Buch über einen Menschen auf der Suche nach dem eigenen Weg

Noch in jungen Jahren und nach seinem Unfall lernt Kuhn den Sänger Heinrich Muoth kennen. Obwohl die beiden recht unterschiedliche Charaktere sind, entwickelt sich zwischen ihnen eine Freundschaft. Muoth ist recht berühmt und beliebt und im Gegensatz zu Kuhn ein Frauenheld. Er ist aber auch ein ziemlich eigensinniger und teilweise zweifelhafter Charakter.

Kurze Zeit später kommt die Figur ins Spiel, die dem Buch seinen Titel gibt: Gertrud. Bei Gertrud handelt es sich um die Tochter eines Musikfreundes, bei dem Kuhn einige seiner Kompositionen vorstellt. Sie ist ebenfalls musikalisch und als Sängerin recht begabt. Kuhn schreibt an einer größeren Oper und übt diese zusammen mit Gertrud, die sich als Sängerin zur Verfügung stellt. Dabei verliebt er sich in sie.

Wie es in vielen Büchern aber nun mal so, wird diese Liebe von Gertrud nicht erwidert. Sie ist dem Erzähler freundschaftlich sehr verbunden, mehr aber auch nicht (die Jugend von heute würde das wohl als „Friend Zone“ bezeichnen). Stattdessen kommt es so, wie es kommen muss. Gertrud heiratet stattdessen Muoth, obwohl dieses Paar als charakterlich sehr verschieden beschrieben wird. Kuhn verfällt dann erneut in eine Depression und plant seinen Selbstmord. Diese Geschichte erinnert also etwas an Die Leiden des jungen Werthers, wobei es hier nicht zum Selbstmord kommt. Kurz bevor Kuhn diesen Plan ausführen kann, erhält er die Nachricht, dass sein Vater im Sterben liegt und er umgehend ins Elternhaus zurückkehren soll.

Gertrud gehört zu den frühesten Werken des Autors

Im Rest des Buchs geht es dann um das Verhältnis Kuhns zu seiner Mutter, das relativ schwierig ist, obwohl es sich gegen Ende doch noch bessert. Außerdem wird der recht große Erfolg seiner Oper beschrieben, in der Heinrich Muoth die Hauptrolle singt. Die Ehe zwischen Heinrich und Gertrud geht schließlich in die Brüche und es kommt zum Ende hin doch noch zu einem Selbstmord.

Hermann Hesse beschreibt in Gertrud ziemlich gut die innere Zerrissenheit eines jungen Mannes, der eine Frau liebt, die aber seinen besten Freund heiratet. Die Charaktere sind vielleicht noch nicht ganz so ausgereift wie in späteren Büchern, aber mir haben die Charaktere sehr gut gefallen. Sie wirken auf mich etwas menschlicher und realistischer als manche der späteren Figuren.

Ich habe ein paar Rezensionen gelesen, die schrieben, dass ein recht deutlicher Unterschied zu den späteren Werken des Autors erkennbar ist. Das stimmt auch. Sein Stil ist vielleicht noch etwas abschweifender und weniger direkt (auch wenn es sich hier um ein dünnes Büchlein handelt). Mir persönlich hat der Schreibstil aber gut gefallen und ich mag allgemein einige von Hesses früheren Büchern mehr als manche der späteren und bekannteren Werke.

Wer sich für Hermann Hesse interessiert und wer schon ein paar der bekannteren Bücher gelesen hat, dem kann ich auch Gertrud ans Herz legen. Es ist etwas anders, hat aber auch deutliche Parallelen. Wie in vielen Büchern des Autors ist die Hauptfigur ein (meist) junger Mann auf der Suche nach einem Sinn in seinem Leben.

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