Wem die Stunde schlägt von Ernest Hemingway

Wem die Stunde schlägt von Ernest Hemingway

Den Roman Wem die Stunde schlägt von Ernst Hemingway habe ich bereits im Artikel zu George Orwells Buch Mein Katalonien kurz an einer Stelle erwähnt. Beide Bücher handeln vom Spanischen Bürgerkrieg, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise.

Im Gegensatz zu Orwells Buch handelt es sich hier allerdings nicht um einen Tatsachenbericht, sondern um einen fiktiven Roman. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass Hemingway auch seine eigenen Erfahrungen in diese Geschichte mit einfließen ließ. Genau wie Orwell war er während des Spanischen Bürgerkriegs vor Ort, wenn auch weniger an vorderster Front und mehr als Berichterstatter.

Wem die Stunde schlägt von Ernest Hemingway
Das Cover des Buchs zeigt eine Szene aus der Verfilmung mit Gary Cooper und Ingrid Bergman.

Der englische Originaltitel von Wem die Stunde schlägt lautet übrigens For Whom the Bell Tolls. Metal-Fans wird dieser Titel bekannt vorkommen. Das gleichnamige Lied von Metallica aus dem Jahre 1984 wurde durch diesen Roman und insbesondere eine bestimmte Szene darin inspiriert. Außerdem wurde das Buch mit Gary Cooper und Ingrid Bergman in den Hauptrollen verfilmt. Eine Szene aus dem Film ziert auch das Cover der Buchausgabe, die ich besitze (siehe Bild).

Wem die Stunde schlägt ist ein weiteres Buch über den Spanischen Bürgerkrieg

Wie oben bereits geschrieben, handelt es sich hier um einen fiktiven Roman. Wir begleiten hier den Amerikaner Robert Jordan, der schon lange in Spanien lebte und sich dort im Bürgerkrieg der Opposition gegen General Franco anschloss. Er wurde als Sprengmeister ausgebildet, der wichtige Verkehrspunkte wie Eisenbahnen oder Brücken in die Luft sprengen soll (und dies auch schon erfolgreich getan hat).

Die Handlung des Romans dauert nur drei Tage. Robert Jordan hat den Auftrag, eine wichtige Brücke in die Luft zu sprengen, kurz nachdem die Republikaner eine wichtige Offensive in Segovia beginnen wollten. Dafür schließt er sich einer Guerillagruppe um deren Anführer Pablo und dessen Lebensgefährtin Pilar an. Zu dieser Gruppe gehört auch die Spanierin Maria, mit der Jordan eine Liebesbeziehung beginnt.

Es wird früh klar, dass es innerhalb der Guerillagruppe große Probleme gibt. Pablo, der früher gefürchtet war, ist weich geworden und scheint sich nur noch um die von ihm erbeuteten Pferde kümmern zu wollen. Pilar übernimmt mehr und mehr das Kommando. Robert Jordan kommt sofort noch seinem Eintreffen zur Erkenntnis, dass Pablo nicht vertrauenswürdig ist. Eine Einschätzung, die sich später teilweise bewahrheiten sollte – teilweise aber auch nicht.

Da ich die Handlung nicht zu sehr spoilern will, werde ich hier auf das Ende nicht näher eingehen. Also ob die Sprengung der Brücke klappt oder was das Schicksal für die einzelnen Figuren in dieser Geschichte bereithält.

Jede Menge (innere und äußere) Dialoge

Wer bereits Der alte Mann und das Meer gelesen hat, Hemingways wohl berühmtestes Buch, der wird seinen Stil auch hier wiedererkennen. Es gibt eine Menge innerer Dialoge der Hauptfigur und auch jede Menge Dialoge zwischen den einzelnen Charakteren. Manche empfinden vor allem die inneren Dialoge als ermüdend und langweilig. Ich persönlich habe mich daran nicht gestört, auch wenn sich manche Gedanken in der Tat immer mal wieder wiederholen.

In dieser Gedankenwelt von Robert Jordan geht es vor allem um die Liebe zu Maria, die so etwas wie seine erste große Liebe ist, auch wenn er bereits vorher mit anderen Frauen zusammen war. Er malt sich eine gemeinsame Zukunft mit ihr aus und ob es überhaupt eine solche Zukunft geben kann. Er macht sich außerdem Gedanken darüber, wie diese wenigen Tage ihn innerlich verändert haben. Während er früher recht stoisch und sachlich an die Arbeit ging, hat er jetzt etwas zu verlieren und spürt zum ersten Mal so etwas wie Angst.

Man erfährt auch mehr über die Vergangenheit der Hauptfigur. Sein Großvater kämpfte im amerikanischen Bürgerkrieg und dient ihm als Ideal. Sein Vater hingegen beging Selbstmord, was Jordan ihm wohl nie ganz verziehen hat. In seinen Gedanken lässt er diese Vergangenheit Revue passieren und versucht die Handlungen und Gedanken seiner Vorfahren richtig einzuordnen.

An manchen Stellen kann die Handlung auch etwas brutal werden und ist eher nichts für sehr zartbesaitete Menschen. In einem Buch über den Krieg ist das aber zu erwarten. Wie viel man in Wem die Stunde schlägt über Geschichte lernen kann, ist unklar. Im Gegensatz zu Mein Katalonien handelt es sich hier wie gesagt nicht um einen Tatsachenbericht. Man lernt hier wohl mehr über zwischenmenschliche Beziehungen als über den Bürgerkrieg an sich.

Insgesamt hat mir Wem die Stunde schlägt sehr gut gefallen, auch wenn ich relativ lange gebraucht habe, um es zu lesen. Die Sprache ist zwar nicht schwer verständlich, aber die Dialoge können in der Tat manchmal etwas ermüdend sein. Wer sich davon nicht abschrecken lässt und wer darüber hinaus noch an eher historischen Romanen interessiert ist, dem kann ich diese Lektüre nur empfehlen.

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert