Bei der heutigen Buchvorstellung geht es ausnahmsweise einmal um ein Buch zur Selbsthilfe bzw. Persönlichkeitsentwicklung. The Slight Edge von Jeff Olson ist aber kein typisches Selbsthilfebuch. Der Autor selbst ist der Meinung, dass die meisten Menschen bereits genug Selbsthilfebücher gelesen haben, viele davon auch hilfreich. Es scheitert aber an der Anwendung und Geduld.

The Slight Edge kann mit Der knappe Vorsprung übersetzt werden. Für Olson ist dieser knappe Vorsprung der Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen in einem Gebiet. Es geht weniger um Talent oder Umfeld, sondern mehr um das, was diese Menschen täglich machen.
Olson beschreibt zu Beginn seine eigene Geschichte. Er brach die Schule ab und wurde in jungem Alter trotzdem sehr erfolgreich. Nach dem ersten Erfolg verlor er alles wieder und musste für eine Weile in seinem Auto leben. Anschließend baute er wieder einige Unternehmen auf und schaffte es erneut nach oben. Den Tag, an dem er alles verlor, sieht er als Wendepunkt in seinem Leben an. Er stelle sich die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass er am Boden lag, obwohl er doch bereits oben angekommen war.
Tägliche Angewohnheiten sind lebensverändernd
Als Grund für diesen Absturz machte Olson in The Slight Edge Folgendes aus: Er hatte irgendwann aufgehört mit den kleinen Dingen, die ihn erfolgreich gemacht hatten. Er hatte sie aus den Augen verloren und den Erfolg als etwas Selbstverständliches angesehen. Bei diesen Dingen handelte es sich nicht um weltbewegende Aktionen, sondern um kleine, tägliche Angewohnheiten, die manchmal nur wenige Minuten dauern. Diese Angewohnheiten haben wir alle, selbst wenn wir uns darüber nicht bewusst sind. Es handelt sich auch um sehr unterschiedliche Dinge, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein können.
Als ein Beispiel, das ihm persönlich sehr geholfen hat, nennt Olson Folgendes: Jeden Tag zehn Seiten eines lehrreichen oder inspirierenden Buchs lesen. Das hört sich nicht viel an und es würde nicht auffallen, wenn man es einen Tag ausfallen ließe. Über das gesamte Jahr gerechnet wären das aber 3650 Seiten oder, je nach Seitenanzahl, mehr als zehn Bücher. Wer zehn sehr lehrreiche Bücher in einem Jahr liest, wird in diesem Jahr einiges gelernt haben und vielleicht ein anderer Mensch sein.
Als The Slight Edge oder knapper Vorsprung der erfolgreichen gegenüber den weniger erfolgreichen Menschen sieht der Autor an, dass Erstere jene kleinen, täglichen Angewohnheit täglich ausführen, komme was wolle, und Letztere irgendwann damit aufhören. Er sagt, dass diese kleinen Angewohnheit einfach durchzuführen sind, aber genauso einfach (oder noch einfacher) auch nicht.
The Slight Edge zeigt den Wert von kleinen Handlungen
Für Olson ist das eine Philosophie. Klar könnte er eine kleine Angewohnheit für einen Tag ausfallen lassen, ohne dass er am nächsten Tag etwas davon merken würde. Aber auf lange Sicht würde er es schon merken, ob etwas eine tägliche Angewohnheit ist oder nicht. Nehmen wir einmal an, dass ich eine neue Sprache lernen will, sagen wir Spanisch. Ich nehme mir vor, jeden Tag zehn neue Wörter oder Sätze zu lernen. Das ist kein riesiger Aufwand. Aber nach einem Jahr würde ich dann mehr als 3000 spanische Wörter/Sätze kennen und könnte mich gut verständigen. Eine kleine Sache jeden Tag macht über längere Zeit einen sehr großen Unterschied.
Es ist einfach zu sagen, dass es nicht besonders wichtig ist, was wir heute machen. Oder Morgen. Oder an anderen einzelnen Tagen. Ein einzelner Tag erscheint nicht als besonders lebensverändernd. Aber in der Summe können sie es sein. Laut Olson verlernen wir diese Geduld immer mehr. In einer Zeit, in der vieles auf Knopfdruck oder per Mausklick erreichbar ist, haben viele Menschen die langfristige Sicht verloren. Was wir an einem Tag erreichen, macht keinen großen Unterschied. Aber mit etwas Geduld können wir irgendwann die Erfolge dieser kleinen, täglichen Angewohnheiten ernten.
Alles in Allem empfand ich The Slight Edge als sehr hilfreiches Buch, da ich mich oft (im negativen Sinne) darin erkannt habe. Ich habe oft mit Dingen angefangen und dann irgendwann die Geduld verloren und aufgehört. Nach ein paar Jahren habe ich mir dann die Frage gestellt, wo ich heute stehen könnte, wenn ich einfach damit weitergemacht hätte. Es ist ein Buch, das man lesen sollte, bevor man viele andere Selbsthilfebücher liest.
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