Das Cover von Schuld und Sühne von Fjodor Dostojewski

Schuld und Sühne von Fjodor Dostojewski

Schuld und Sühne ist der wohl bekannteste Roman von Fjodor Dostojewski. Für mich war es nach Der Spieler der zweite Roman des Autors, den ich gelesen habe und den ich auf diesem Blog vorstelle. Vorher hatte ich nur eine Kurzgeschichtensammlung gelesen.

Das Cover von Schuld und Sühne von Fjodor Dostojewski

Der Titel des Buches lautet in neueren Übersetzungen auch Verbrechen und Strafe und nicht mehr Schuld und Sühne. Dies ist näher an anderssprachigen Übersetzungen und wohl auch näher am Original (was ich selbst aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht beurteilen kann). Insgesamt haben sich im Laufe der Jahre viele verschiedene Übersetzungen angesammelt. Mir persönlich liegt die Übersetzung von Hermann Röhl vor, mit dem ursprünglichen Titel Schuld und Sühne. Auch die Namen wurden in anderen Übersetzungen wohl anders übersetzt. Ich verwende hier nur die Namen, wie sie in meinem Exemplar geschrieben sind.

Hauptfigur des Romans ist der Student Rodion Romanowitsch Raskolnikow. Raskolnikow lebt in St. Petersburg in einem winzigen Zimmer, das im Buch als sargähnlich beschrieben wird. Er ist sehr arm und kann daher auch sein Studium nicht fortsetzen. In den Wochen und Monaten vor Beginn der Erzählung hat ein innerer Wandel stattgefunden. Raskolnikow hat sich immer mehr von anderen Menschen abgewandt, bleibt manchmal tagelang in seinem kleinen Zimmer und grübelt vor sich hin. Er ist aber sehr intelligent und kann auch mitfühlend sein.

Schuld und Sühne ist kein typischer Kriminalroman

Schon früh wird klar, worauf sich das Verbrechen in der neueren Übersetzung des Titels bezieht. Der Roman ist kein Kriminalroman, bei dem der Leser mitfiebert, wer der Mörder ist. Die Karten liegen schon sehr früh auf dem Tisch. Raskolnikow plant einen Mord. Er plant, die Pfandleiherin Aljona Iwanowna zu ermorden. Das Opfer nutzt die Armut ihrer Mitmenschen aus und zahlt geringe Preise, weshalb sie nicht unbedingt als sympathische Figur erscheint. Auch misshandelt sie ihre Schwester Lisaweta, die als etwas zurückgeblieben, aber sehr gutmütig und charakterlich einwandfrei beschrieben wird.

Nach einigen Grübeleien führt Raskolnikow die Tat auch ziemlich früh im Buch bereits aus. Motiviert wurde er dadurch unter anderem durch ein Brief seiner Mutter. Sie berichtet, dass seine Schwester Awdotja heiraten will. Raskolnikow vermutet sofort, vermutlich nicht ganz zu Unrecht, dass Awdotja nur heiraten will, um sich für den Bruder zu opfern. Eine Hochzeit mit einem Anwalt würde dazu führen, dass Raskolnikow sein Studium der Rechtswissenschaften weiterführen und anschließend vielleicht sogar einen sicheren Job bekommen könnte. Der Verlobte stellt sich hinterher in der Tat nicht gerade als Sympathisant heraus, weshalb Raskolnikow versucht, die Hochzeit im Rahmen seiner Möglichkeiten zu verhindern.

Der Mord geht aber nicht so von Statten, wie Raskolnikow sich das vorgestellt hatte. Er ermordet unter anderem auch Lisaweta, die Schwester der Pfandleiherin, die unerwartet hinzukommt. Im Gegensatz zur Schwester hatte Raskolnikow keinerlei negative Gefühle Lisaweta gegenüber. Zudem wird er nach der Tat um ein Haar auf frischer Tat ertappt und kann nur durch Glück und Zufälle unerkannt entkommen.

Fragen über Moral und Wiedergutmachung

In den Tagen danach verfällt Raskolnikow in einen fieberhaften Traumzustand. War er vor der Tat noch ziemlich skrupellos und hatte sich im Recht gesehen, werden in ihm nun doch moralische Bedenken wach, die sich unter anderem in seiner Krankheit äußern. Am Tag nach dem Mord wird er wegen einer vollkommen unabhängigen Sache (Schulden gegenüber seiner Vermieterin) auf das Polizeirevier zitiert. Als er dort mitbekommt, wie die Sprache auf den Mord des vorangegangenen Abends kommt, fällt er in Ohnmacht. Dadurch und durch manche unbedachte Äußerung während seiner Fieberzustands kommt der Untersuchungsrichter Porfirij Petrowitsch recht früh zu der Überzeugung, dass Raskolnikow der Mörder ist. Er kann es aber nicht beweisen. Raskolnikow weiß, dass Porfirij ihm auf die Schliche gekommen ist, und zwischen beiden entwickelt sich eine Art Spiel.

Weitere Hauptfiguren in Schuld und Sühne sind Raskolnikows einziger Freund Dmitri Rasumichin und Sofja Marmeladow, die Raskolnikow erst im Laufe der Handlung kennenlernt und die später seine Geliebte wird. Rasumichin ist ebenfalls ein ehemaliger Student mit großen Geldproblemen. Im Gegensatz zur Hauptfigur hat er aber eine positivere Weltanschauung und versucht sein Schicksal eigenhändig zu meistern. Trotz der Freundschaft ist Rasumichin etwas wie ein Gegenstück zu Rodion. Zudem verliebt er sich in Rodions Schwester Awdotja, als diese zur Vorbereitung ihrer Hochzeit mit der Mutter nach St. Petersburg kommt.

Roman ist auch eine Liebesgeschichte

Sofja tritt in Raskolnikows Leben, als er deren Vater in einer Kneipe kennenlernt. Der Vater, ein früherer Beamter, ist Alkoholiker und vertrinkt das sowieso bereits sehr knappe Geld der Familie, die ebenfalls in bitterer Armut lebt. Die Stiefmutter „ermuntert“ Sofja dazu, sich zu prostituieren, um der Familie finanziell zu helfen. Der Vater stirbt bei einem Unfall, bei dem Rodion zugegen ist. Nachdem der Sterbende in die Wohnung seiner Familie gebracht wird, lernt Rodion auch zum ersten Mal Sofja kennen und verliebt sich in sie.

Auch Sofja ist trotz der späteren Beziehung eine Art Gegenstück zu Raskolnikow. Trotz ihrer Lage hat sie den Glauben nie verloren, hat hohe moralische Vorstellungen und ist das, was man eine „gute Seele“ nennt. Sofja ist auch die erste Person, der Raskolnikow den Mord gesteht und gegenüber der er zum ersten Mal so etwas wie Reue äußert. Sowohl Rasumichin als auch Sofja erwecken beim Lesen sofort Sympathie. Sie machen auch deutlich, wie weit Raskolnikow selbst sich von der Menschheit entfernt hat.

Zudem gibt es in Schuld und Sühne noch einige andere Handlungsstränge, deren Erwähnung hier zu weit gehen würde. Meine Übersetzung hat mehr als 800 Seiten, und keine davon habe ich wirklich als langweilig empfunden. Raskolnikow versucht mit Hilfe von Sofja herauszufinden, ob ein Neuanfang und Reue für ihn möglich ist.

 

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